Facebook endlich löschen – Ausstieg aus der Sucht

Dieser Artikel ist für alle, die Facebook satt haben und Schwierigkeiten haben, davon los zu kommen. Sucheingaben ebenfalls Interessierter (Quelle: Google Suggest):

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(Suchmaschinen-Vorschläge sind mittels spezieller Software zwar auch fälschbar, würde sich in diesem Fall vermutlich aber für niemanden lohnen.)

Mehr als die Hälfte der internetfähigen Deutschen sind gar nicht bei Facebook (Quelle Google; Begriffe Facebook Nutzer Deutschland 2017 und Alter Deutschland). Im Umkreis hört mancher es immer häufiger „Ich überlege auch Facebook zu löschen“ und dennoch bleiben einige da. Manche gehen.

Auf Facebook erlebte Erinnerungen und der schnelle Chat-Kontakt zur gesamten Welt machen es schwer, freiwillig die Pforten zu schließen. Hinzu kommt der Endlos-Newsfeed, treibt ständig Gedanken auf, ob man denn eventuell nicht doch noch was wichtiges verpasst, wenn man jetzt nicht weiterscrollt. Zum Beispiel euer übriges Leben. Ja, Technik is Future und davon gibt es jede Menge geiler Dinge, wie auch Badeseen, Grillfeten, Augen- und Körperkontakt und und und. Und es gibt Facebook. Den virtuellen Raum mit blauen Balken, der euch stetig fragt, was ihr gerade macht und irgendwann fragt ihr euch „Was mache ich hier eigentlich die ganze Zeit?“

Auf „Gefällt-Mir“ drücken, auf Smileys drücken, Bilder hochladen, Profile angucken, Sätze mit der Tastatur eintippen und mit der Enter-Taste absenden. Im Alltag bei fast jeder Aktivität daran denken, ob ihr die nicht vielleicht auch mit Facebook teilt. Gemeinsam Diagloge oder Monologe innerhalb von Computern oder Smartphones führen und sich fiktiv dort aufhalten, wo man fiktiv halt gern ist. Im Grunde nichts verkehrtes, insofern man sich damit wohlfühlt und nicht das Gefühl hat aktuell oder später am Sterbebett andere Lebenserfahrungen zu missen,…

 

Die Grunddiskussion

…und man kein Problem damit hat, anderen nicht nur seine Rosette zu verkaufen (überall wo die üblichen Facebook-Buttons auf anderen Websites integriert sind, werden eure Aktivitäten gesammelt), sondern sie damit auch noch reich zu machen, während man selbst dafür das Angebot bekommt in die Röhre zu gucken und rackert sich ansonsten sein Leben lang im Idealfall nur von 9 to 5 den Ast bei seinen Job/s ab. Eigentlich kann sein und ist auch teilweise so ein soziales Netzwerk eine einfach schöne Sache, wie vom Betreiber im Ursprungssinn vermutlich erdacht. Und wer würde nicht aus seinem Ding was großes machen, wenn geilen Anklang findet. Doch kommt es darauf an, was für den einzelnen groß ist. Wenn ich Facebook mittlerweile genauer betrachte, ist Facebook auch irgendwo wieder ziemlich arm (bis auf die rund 12 Milliarden US-Dollar Umsatz + 2,9 Milliarden USD Jahresüberschuss natürlich).

Mir persönlich kamen die vorherigen Netzwerke weniger hintertürig und vermehrt spaßig herüber, ungezwungener, entspannter, mit Leichtigkeit besucht und ebenso einfach und vor allem ausgeloggt. Im Gegensatz zu diesen bietet Facebook neben dem Datenverkauf viele fesselnde Features (eben deshalb), ob angenehm oder unangenehm. Zumindest hatte ich bei bisher bei keiner anderen Community Schwierigkeiten, meinen übrigen Interessen nachzukommen und hatte dort genauso gute Unterhaltung und Leute kennengelernt.

 

Wofür es gut sein kann

International, das war Facebooks Vorzug. Manche behaupteten Facebook sei auch sonst besser. Seltsamer Weise empfanden diese das erst nach ca. 3 Jahren, zuvor war dort nichts los. Immer diese urplötzlichen Trends… Mar ka ka ka te te ding.. de ding de ding..ring? Auf jeden Fall gibt es verschiedene Unterhaltungs-Typen. Z. B. , die die sich selbst gern Informationen zusammensuchen oder die TV-Typen. Lustigerweise schimpfen viele auf Google und nicht auf Facebook. Dabei sind beide ziemlich gleichmächtig, was auch erklärt, warum sie sich öfters versuchen zu verspeisen.

Nützlich kann Facebook also für Vernetzung sein, insbesondere auf Entfernung. Und gleichzeitig ist Befremdung in der Nähe möglich durch mit nach unten aufs Smartphone gesenkten Blick, während gerade ne geile Sau an einem vorbeiläuft, mit der man ansonsten vielleicht romantisch Händchen gehalten hätte an dem Abend sonst und wenn es in den Träumen gewesen wär. Gerupft wie geschmiert oder wie das heißt. Facebook ist auch enorm viral und birgt damit auch gutes Potential für gesellschaftsfördernde Vernetzungen, insofern diese dann in der Realität umgesetzt werden. Durch den endlosen News-Feed und das permanente Gefühl auf etwas reagieren zu müssen, kommt man doch mitunter sehr schwierig vom Bildschirm weg.

Facebook baut zwar zunehmend Einstellungsmöglichkeiten ein. Dennoch steht ständig irgendetwas auf dem Präsentierteller, wie der Online-Status, ein aktuelles Foto oder Kommentare. Der Messenger schießt dann den Vogel ab mit den dauernden Melde-Sendungen auf das Handy. Messenger deinstallieren, dann geht zwar das Nachrichten-Abrufen in der App nicht, aber im Browser, ist zwar umständlicher, aber effektiv, ihr wollt es ja reduzieren. Für neue Meldungen müsst ihr das Browser-Fenster aktualisieren.

Im Grunde muss man ja nicht zwingend Geheimnisse haben. Wenn man gerne rosane Vibratoren kauft, dann bekommt halt jemand im näheren Umfeld vielleicht entsprechende Werbung angezeigt. Vielleicht schenkt er die einem dann ja zu Weihnachten. Und Facebook hat auch gute alternative Features zu ehemaligen Communitys. Doch es kommt alles drauf an, auf die Fairness, auf die Ehrlichkeit, auf das individuelle Wohlbefinden. Und auf die Zwischenmenschlichkeit, z. B. in Partnerschaften und Freundschaften. Und wenn einem Facebook halt nicht so gefällt oder man seine Vorliebe zu rosanen Dildos nicht preisgeben möchte und dies auch nicht an Dritte, dann ist das eben so und jedermanns gutes Recht. Nach Facebook kann es auch immer wieder eine andere Datenkrake geben, wie z. B. Bruder Whatsapp, aber man ist schonmal geübt, im Austritt von Dingen, aus denen man austreten will. Und zu jeder Bewegung gehört nunmal jeder einzelne, wenn wir das im revolutionären Sinne betrachten.

Ich habe dort im Übrigen meine festen Hände kennengelernt, die Facebook nicht ersetzen kann, und ich ohne Facebook vielleicht nie getroffen hätte, außer vielleicht auf studivz oder werkenntwen, wenns Facebook nie gegeben hätte oder in der Realität. Es war aber noch etwas wichtiges dabei bei der Begegnung zwischen den Händen und mir, – Wir haben uns weitgehendst mit unserem wahren Ich gezeigt, was einem auf dieser Plattform nicht zwingend leicht fällt, wenn ein Posting vom weitgehendst üblichen Präsentations-Knigge abweicht (ich bin voll sexy, schlau, gefragt und erlebe ganz besondere Dinge) abweicht, es sei denn man steht wirklich weit über der Meinung anderer, wobei wiederum ein soziales Netzwerk dann wahrscheinlich irgendwie fehl am Platz wäre, so wie jegliche anderweitige Kommunikation außerhalb der Monologie. Also unsere Profile waren/sind (Hasenfurz ist leidenschaftlicher Facebooker) schon gern auch im besucht, doch dieser ewige Schwanzvaginavergleich ist einfach nicht unsere Welt. Hier und da ein bisschen ok, klar, ein bisschen Rampenlicht mag dann auch mal der Hinterwäldler. Tiefsinn ist halt für jedermann verschieden, für nen einen das Essen, für nen anderen das Messen, für nen anderen Quantenphysik. Wie jeder halt mag.

Jetzt halt die Fresse und sag mir wie man von Facebook loskommen kann

Wenn man das Gefühl bekommt, ein Leben außerhalb nur noch beeinträchtigt zu schaffen, – süchtig zu werden, ständig einen Widerwillen entwickelt, zum Beispiel, weil man den Geruch von lauer Sommerluft öfter riechen will oder seinen einst geliebten Hobbies nicht mehr nachkommt, kann man sich versuchen mit dem Gedanken vertraut zu machen, Facebook zu löschen und wenn es einfach erstmal für ne Woche ist (Ich schreibe immer so lange Sätze, mochte meine Deutsch-Lehrerin in der Berufsschule schon nicht). Wenn man dann oder auf dem Weg zum Lösch-Button unsicher wird und ellenlange darüber nachdenkt, ob man es denn jetzt tut oder nicht, dann seit ihr wahrscheinlich schon zu gefangen, um euren Facebook-Konsum in ein erträgliches Maß einzuschränken, insofern dies überhaupt möglich ist. Ein weiteres Merkmal kann sein, dass man öfters überzeugt ist, sich löschen zu wollen und dann zwischendurch wieder denkt, dass es schon nicht so tragisch ist, dazubleiben, unter der Bedingung, dass der Gedanke daran sich zu löschen ständig auftaucht und Zeit frisst.

Das ist alles andere als unnormal. Es wird zwar stetig normaler, dass Menschen kaum noch von Angesicht zu Angesicht kommunizieren wollen oder im Zwispalt dazu stehen, aufgrund zunehmend technischer Kommunikation, dem stressigen Alltag oder einschränkenden Eigenschaften, wie sozialer Phobie oder Misantrophie. Haut- Augen- und Duftkontakt kann Facebook jedoch nicht ersetzen und ist somit nichts in vollem Zeitumfang für jedermann. So probiere er die wochenweise Löschung. Überlegt nicht lange, was ihr den anderen für eine Begründung nennt, sagt die Wahrheit oder dass euer Profil gelöscht wurde (wart halt ihr). Wenn Facebook wirklich nichts für euch ist, wird euch das nicht schwer fallen oder das erneute Löschen nach einer Wiederanmeldung nicht, bis es euch irgendwann zu blöd wird und ihr es endgültig satt habt.

Der Knackpunkt ist diese eine Löschung. Und viele werden am Anfang gar nicht glauben, wie schwierig es ihnen fällt. Danach ist einfach alles weg. Höchstens mit Screenshots oder anderweitig festgehalten. Und zwar wirklich einfach, weil man nach dem Austritt, eine enorme Leichtigkeit verspürt, wie so ein Vogelzwitschern mit Sonnenschein, wie man es zuletzt 1994 beim Familienspaziergang gespürt hat. Wie eine Tür, die man für immer hinter sich ließ, die Hobbies wie Blumen wieder aufblühen und man frisch und tatkräftig wieder in die Umwelt schaut. Das ist erstmal so ein Grundgefühl, was stetig bleiben kann, jedoch hier und da ins wanken geraten kann, wenn man an Facebook erinnert wird oder wieder in Zweifel gerät. Alles normal. Das ist dann ein gelegentliches Auf und ab und dennoch bereuet die Löschung grundlegend keiner soweit mir bekannt. Sie sind regelrecht froh. Es kann jedoch vielleicht passieren, dass man rückfällig wird in einem schwachen Moment. Kein Grund zur Panik. Man hat es einmal geschafft, ab jetzt schafft man es immer wieder. Bis man die Schnauze entgültig voll hat oder es zufrieden dort aushält und will. Im Grunde muss man so lange überlegen, bis man es macht oder sein lässt. Das ist wahrscheinlich wie bei anderen Sachen, erst wenn man es wirklich Leid ist oder sich selbst zerstört, kommt man von einer Sache los. Im richtig schlimmen Fall muss man sich halt Hilfe holen. Das ist auch keine Schande. Im Gegenteil. Und manchen macht Facebook halt auch einfach wirklich Spaß.

Fies ist, es kommt im Anschluss der Löschung die Meldung zu  einer 14-tägigen Reaktivierungs-Möglichkeit, die du nicht abstellen kannst. Das erinnert mich zwar an den Wink der Zeugen Jehovas, dass sie dich immer wieder herzlich aufnehmen, jedoch ansonsten wortlos die Tür schließen, sei es für den emotionalen Faktor oder weil du fortan für sie unbedeutend bist. Mit deinen Facebook-Freunden wird es so sein, wie zuvor auch, höchstwahrscheinlich. Die, mit denen du eh real Kontakt hattest, wird das auch so bleiben, die mit denen du da nicht geredet hast, werden dir auch so eher nicht mehr zu Ohren kommen und auch die, die nur Show übten oder für die ein Leben außerhalb von Facebook nicht mehr existiert. Wer dich wirklich gern hat, wird dir mindestens auf halber Stelle entgegenkommen, vorausgesetzt er/sie ist nicht krankhaft süchtig. So installierten für mich nach meinem Facebook- und Whatsapp-Austritt überraschend viele meiner zwei Bekannten Telegram oder schreiben bis heute per E-Mail mit mir. Und selbst falls es bei dir nicht so sein sollte, weißt du dann wenigstens woran du bist und kannst deine Zeit besser verteilen.

Wie bemerkte ich meine Sucht?

Ich bin eigentlich ziemlich standhaft und war auch schonmal zuvor 3 Jahre deaktiviert mit 2 maligem Einloggen und zuletzt ein halbes Jahr so gut wie gar nicht News-checkend. Bis es mir dann plötzlich über den Kopf stieg mit mehr als 3 maligem News-Feed-Check täglich übers Smartphone, obwohl ich die Dinger eigentlich hasse. Und meine ganzen Hobbies lagen brach, telefonierte kaum noch mit Freunden, alles zeit-, kontakt- und rückenfressendes Getippe. Obwohl ich ansonsten unübersehbar gern schreibe. Vor allem schaute ich den Menschen in meiner Umgebung kaum noch in die Augen. Nahm wesentlich weniger an ihrem Dasein teil. Die überwiegend sowieso weniger, weil die meist um weiten schlimmer sind, bis auf Tiere, Kleinkinder oder Ältere die bald nicht mehr sind. Will man die Zeiten mit denen wirklich für Facebook verpassen? Will man seine knappe Freizeit, den Sommer wirklich ständig mit dem PC oder Smartphone verbringen? Ich versuchte Facebook zunächst zu reduzieren, doch es übermannte doch tatsächlich mich. Das ist soweit ich das beurteilen kann schwierig, ich kann zwar viel und das kann ich normalerweise voll gut. Im Grunde wäre es am einfachsten, man würde das ganze Thema einfach locker sehen. Hätte wäre wenn ist halt nicht, daher sind wir grad alle hier beim Thema. Viel Erfolg bei welcher Entscheidung auch immer!

Wenn man Facebook im Griff hat muss man sich nicht mehr zwanghaft kommunizieren, nicht mehr rechtfertigen, nicht mehr beweisen, nicht mehr behaupten, man kann einfach sein. Man kann kommen und gehen, kommunizieren oder schweigen (ja, ich weiß, ist auch Kommunikation), wie man lustig ist und das wenn man es wirklich will.

Erfahrungen von anderen auf anderen Webseiten (öffnen sich in neuen Tabs):

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/16762236

Weitere Aussteiger-Berichte findet ihr unter den oben genannten Suchbegriffen in Suchmaschinen.

P.S.: Einen Like übrig? : D

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